Sonnencreme-Filter erklärt: physikalisch, chemisch, modern

Inhaltsverzeichnis
Fast jede Erklärung zu Sonnencreme beginnt mit demselben Bild: Mineralische Filter legen sich wie ein Spiegel auf die Haut und werfen die Strahlen zurück, chemische schlucken sie. Klingt logisch. Nur stimmt es nicht. In unseren Hautanalysen bei alestetics® ist Sonnenschutz fast immer ein Thema – und kaum eines ist so von Halbwissen umgeben. Räumen wir auf.
UVA und UVB – zwei Strahlen, zwei Wirkungen
Bevor es um Filter geht, lohnt der Blick auf das, wovor sie schützen. Sonnenlicht erreicht die Haut in zwei für uns relevanten Wellenbereichen.
UVB ist die kürzere Strahlung. Sie bleibt an der Oberfläche und ist für den Sonnenbrand verantwortlich – eine Merkhilfe ist B wie Burning.
UVA dringt tiefer ein. Sie verursacht keinen akuten Brand, baut aber über die Jahre Kollagen und Elastin ab und fördert Hyperpigmentierung. Damit ist sie die treibende Kraft hinter vorzeitiger Hautalterung. Und sie ist hartnäckig: UVA ist das ganze Jahr präsent, auch bei Wolken und durch Fensterglas hindurch.
Für unsere Arbeit – Pre-Aging – ist UVA deshalb der eigentliche Gegner. Wer nur an den Sonnenbrand denkt, schützt sich nur zur Hälfte. Und genau hier wird die Wahl des Filters wichtig, denn nicht jeder deckt den tiefen UVA-Bereich gleich gut ab.
Physikalisch oder chemisch – der Spiegel-Mythos
Filter werden in zwei Familien eingeteilt. Die mineralischen, also anorganischen, bestehen aus Zinkoxid oder Titandioxid. Die organischen – umgangssprachlich «chemische» – sind kohlenstoffbasierte Moleküle wie Avobenzon oder die moderneren, zu denen wir gleich kommen.
Der verbreitete Mythos lautet: Mineralfilter reflektieren, organische absorbieren. Die Messungen sagen etwas anderes. Eine Untersuchung in Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine zeigt: Zinkoxid und Titandioxid schützen vor allem, indem sie UV-Strahlung absorbieren. Reflektiert wird im UV-Bereich nur ein Bruchteil – rund vier bis fünf Prozent, weniger als LSF 2. Beide Familien wandeln den Grossteil der Strahlung also in eine winzige Menge Wärme um. Der Unterschied ist kleiner, als die Werbung vermuten lässt.
Die saubere Einteilung lautet deshalb nicht physikalisch gegen chemisch, sondern anorganisch gegen organisch.
Trotzdem haben mineralische Filter ihre Stärken. Sie wirken sofort nach dem Auftragen, bleiben eher an der Oberfläche und gelten als besonders verträglich für empfindliche oder gereizte Haut. Ihr Nachteil: Sie können einen weisslichen Film hinterlassen, gerade auf dunkleren Hauttönen. Und Titandioxid allein deckt den tiefen UVA-Bereich nicht ab – dafür braucht es Zinkoxid.
Wie sehr die alte Schublade wackelt, zeigt ein Filter wie Tinosorb M: chemisch aufgebaut, aber als mikrofeine Partikel formuliert, sodass er zusätzlich streut. Ein Zwitter, der sich keiner der beiden Kategorien ganz zuordnen lässt.
Was moderne Filter besser machen
Die spannende Entwicklung der letzten Jahre liegt bei den organischen Filtern der neuen Generation. Namen wie Tinosorb S und M, Uvinul A Plus, Uvinul T 150 oder Mexoryl tauchen immer häufiger auf den Rückseiten guter Sonnencremen auf.
Ihr grösster Vorteil ist die Photostabilität. Ältere Filter bauen unter Sonnenlicht teils ab – Avobenzon, der klassische UVA-Filter, zerfällt ohne zusätzliche Stabilisatoren und verliert damit an Schutz. Die modernen bleiben über Stunden stabil. Dazu decken sie das Spektrum breiter ab, inklusive des tiefen UVA, und lassen sich zu leichten Texturen ohne Weissfilm verarbeiten.
Für dich in Zürich ist ein Punkt besonders interessant. Diese moderne Filtergeneration ist in der Schweiz und der EU zugelassen, während die USA seit Jahren auf einem älteren Filtersatz festsitzen – nicht weil die neuen unsicher wären, sondern wegen eines regulatorischen Rückstands der US-Behörde. Eine gut formulierte Sonnencreme aus dem Schweizer oder europäischen Regal ist den meisten US-Produkten technologisch also einen Schritt voraus.
Sind chemische Filter schädlich?
Die Frage hören wir oft, und sie verdient eine ehrliche Antwort statt Panik.
Auslöser der Debatte war eine Studie der FDA, veröffentlicht im JAMA. Sechs ältere organische Filter waren nach dem Auftragen im Blut nachweisbar – über jener Konzentration, ab der die US-Behörde zusätzliche Sicherheitsdaten verlangt, und das bereits am ersten Tag. Das klingt beunruhigend, sagt aber zunächst nur eines: Der Stoff gelangt in den Körper. Über eine tatsächliche Schädigung ist damit nichts ausgesagt.
Schaut man auf die gesundheitlichen Daten, entspannt sich das Bild. Für Oxybenzon, den meistuntersuchten dieser Filter, fand ein systematisches Review keinen belegten negativen Effekt auf Fruchtbarkeit, Hormonhaushalt oder kindliche Entwicklung. Einzelne Zusammenhänge, etwa zur Schilddrüse, sind offen und werden weiter geprüft.
Die EU wartet damit nicht ab, sondern reguliert vorsorglich: Mehrere ältere Filter unterliegen inzwischen strengeren Konzentrationsgrenzen, und 2024 äusserte die Europäische Kommission Bedenken zu Octinoxat. Dazu kommt die Umwelt. Oxybenzon und Octinoxat stehen mit Korallenbleiche in Verbindung und sind etwa in Hawaii verboten. Einschränkend muss man sagen, dass ein Teil dieser Studien mit höheren Konzentrationen gearbeitet hat, als im Meer real vorkommen.
Unser Fazit: Moderne Filter umgehen diese ganze Diskussion, weil sie stabiler sind und ein saubereres Profil mitbringen. Du musst dich nicht zwischen gutem Schutz und einem guten Gefühl entscheiden. Die mit Abstand schlechteste Option bleibt: gar keine Sonnencreme.
So liest du ein Sonnencreme-Etikett
Im Regal helfen ein paar Punkte bei der Wahl.
Der LSF sagt weniger, als die meisten denken. Er bezieht sich ausschliesslich auf UVB, also auf den Sonnenbrand. Über den Schutz vor UVA – und damit vor Hautalterung – sagt die Zahl nichts.
Dafür gibt es ein eigenes Zeichen. In der Schweiz und der EU darf eine Creme nur dann UVA-Schutz ausloben, wenn dieser mindestens ein Drittel des LSF erreicht. Erfüllt sie das, trägt sie das «UVA» in einem Kreis. Such gezielt nach diesem Symbol, nicht nur nach einer hohen Zahl.
Skeptisch werden solltest du bei Versprechen wie «Sunblock», «Totalschutz» oder «100 Prozent». Keine Sonnencreme blockt alles, und nachlegen muss man immer. Apropos Menge: Die meisten tragen zu wenig auf – der angegebene LSF gilt nur bei grosszügiger Anwendung.
Welcher Filter passt zu deiner Haut?
Den einen besten Filter gibt es nicht. Was zu dir passt, hängt von deinem Hauttyp ab, von deiner Empfindlichkeit und davon, ob du die Creme täglich im Büro trägst oder für den Tag am See brauchst.
Genau das schauen wir uns in der kostenlosen AURA 3D Hautanalyse an. Wir analysieren deine Haut bis in die tieferen Schichten und empfehlen dir den passenden Sonnenschutz – ehrlich und unabhängig, denn die Produkte, die wir empfehlen, verkaufen wir nicht selbst. Jetzt kostenlose AURA 3D Hautanalyse in Zürich sichern.
Und wenn du gerade überlegst, welche Behandlungen sich im Sommer überhaupt eignen: Das haben wir hier aufgeschlüsselt – Kann man HydraFacial im Sommer machen.
Was ist der Unterschied zwischen physikalischen und chemischen Sonnenfiltern?
Sind chemische Sonnencremen schädlich?
Was bedeutet das UVA-Zeichen im Kreis auf der Sonnencreme?
Schützt ein hoher Lichtschutzfaktor auch vor Hautalterung?
Sind moderne Filter besser als mineralische?
Quellen & Studien
Die Aussagen in diesem Beitrag stützen sich auf folgende wissenschaftliche Publikationen:
- Cole C et al. (2015). Metal oxide sunscreens protect skin by absorption, not by reflection or scattering. Photodermatol Photoimmunol Photomed. PubMed 26431814
- Matta MK et al. (2020). Effect of Sunscreen Application on Plasma Concentration of Sunscreen Active Ingredients: A Randomized Clinical Trial. JAMA. PubMed 31961417
- Suh S et al. (2020). The banned sunscreen ingredients and their impact on human health: a systematic review. Int J Dermatol. PubMed 32108942

Geschrieben von
Alexandra Stroganova
Gründerin alestetics® · Pre-Aging-Spezialistin
Medizinische Kosmetikerin · Sachkundenachweis V-NISSG · Lymphtherapeutin · seit 2021
Alexandra hat alestetics® 2021 in Zürich gegründet. Sie arbeitet nach dem Pre-Aging-Gedanken: die Hautqualität früh stärken, statt später zu kaschieren.
Mehr über Alexandra und das Team →